Druckversion der Internetseite: dbu-bowling.com

Name der Seite: Peter Lorenz
URL: http://archiv.dbu-bowling.com//index.php?id=1886
Autor: DBU
Stand: 17.04.2026




Interview mit Peter Lorenz

Am 07.09.2003 begann mit der Abreise nach Malaysia für unsere Delegation, bestehend aus 12 Aktiven und 7 Funktionären bzw. Betreuern das Abenteuer World Tenpin Bowling Championship. Vom 09.09.-20.09.2003 finden die Wettkämpfe in Malaysia statt und für alle Beteiligten ist dies sicher ein Höhepunkt in der persönlichen Bowlingkarriere. Kurz vor der Abreise hat sich unser Bundestrainer Peter Lorenz noch bereit erklärt einige Fragen zu beantworten. Hier nun das kleine Interview, das per E-mail stattgefunden hat:

 

MU: Welche Kriterien waren für die Zusammensetzung des Kaders ausschlaggebend?
PL: Die WM ist der sportliche Höhepunkt in unserer nichtolympischen Sportart. Nach der letzten WM in Abu Dhabi 1999 wurden viele internationale und nationale Veranstaltungen mit dem gesamten Kader besucht und Trainingslehrgänge durchgeführt. Der Gesamtkader der DBU besteht aus über 70 Sportlern angefangen im Jugendbereich. Nach erfolgreichen Wettbewerben wie der letzten EM, den World Games und verschiedenen  Europa- und Weltcup`s hat sich letztendlich ein erfahrener Kader mit auch jungen Spielern/innen für die folgende WM angeboten und durchgesetzt. Kriterien zur Auswahl des Kaders waren die leistungsbestimmenden Faktoren Technik, Taktik, Kondition, mentales Wettkampfverhalten als auch die aktuelle Form. Um konkurrenzfähig zu sein, war natürlich auch eine Vielzahl von internationalen Turnierteilnahmen gefordert. Nur wer sich mit guten Ergebnissen angeboten hat, hatte auch eine reelle Chance!
MU: Kann man sich gezielt auf einen Saisonhöhepunkt wie eine WM vorbereiten und falls ja, wie?
PL: Jeder Sportler/in hat einen individuellen Trainings-und Turnierplan der sich an der WM orientiert. Letztendlich wurde ein 6 - 8 wöchiger Trainingsplan zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung umgesetzt, um topfit zu sein. Hier wurden von den Sportlern je nach Trainingsalter und -belastbarkeit 15 bis 40 Wochenstunden realisiert. Das heißt konkret in den Hochbelastungswochen (3. und 5. Woche) wurden bis zu 120 Spielen /Woche + Ausgleichstraining absolviert ! Zusammengefaßt, ja wir bereiten uns planmäßig vor, wie es auch in anderen Sportarten der Fall ist.
MU: Ist es nicht ein großer Nachteil, keinen eigenen Physiotherapeuten dabei zu haben?
PL: Wir hatten in der Vergangenheit mit unserem Physio Andre an Haack eine hervorragende Hilfe in der Vor- und Nachbereitung der Wettkampftage, zudem war er voll integriert in das Betreuungssystem für die Sportler. Leider steht er uns nicht mehr zur Verfügung, wir haben auch noch keinen relevanten Ersatz.
Ein Physio ist in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr wegzudenken aber ...
MU: Welche Nationen sind favorisiert und wie schätzt Du die Chancen der deutschen Mannschaft ein bzw. was sind die Ziele bei der WM?
PL: Die Favoriten sind nach meiner Meinung die USA, Malaysia, Japan, England, Finnland und Schweden, sowie Einzelsportler wie Gery Verbruggen (Bel), Arturo Quintero (Mex), Tore Torgersen (Nor) ....
60 Herren und 30 Damen aus dem Gesamtfeld von ca. 700 anwesenden Sportlern werden das Niveau bestimmen. Wir werden auch ein Wort bei der Medaillenvergabe mitsprechen, denn auch wir fahren hin um Weltmeister zu werden. Letztendlich ist es für mich entscheidend nach der WM sagen zu können, wir haben bei jedem aber auch jedem Wurf 110 % gegeben. Dann ist es egal ob 0 oder 5 Medaillen herausgekommen sind. Sind andere besser, dann muß man dies akzeptieren.
MU: Wie beurteilst Du die Perspektiven des Bowlingsports als Leistungssport in Deutschland und im Vergleich zu anderen Nationen?
PL: Wenn man sich die allgemeine sportliche Entwicklung in Deutschland ansieht (Leichtathletik, Schwimmen, etc.) ist ein Trend zu erkennen. Ständig sinkende Sportetats als auch die nach meiner Meinung schlechter werdende allgemeine sportliche Ausbildung der Jugend in den Schulen sind eigentlich richtungsweisend für den deutschen Sport. In Sachen Bowling haben wir mit dem Verlust von attraktiven hochkarätigen internationalen Turnieren in unserem Land einen ähnlichen Schritt getan. Hier muß Abhilfe geschaffen werden. Wir verlangen von unseren Sportlern sich der Konkurrenz zu stellen, daß heißt Reisen - Geld ausgeben ....(Wer wenig Geld hat ???) Im Rahmen der DBU haben wir eine sehr gute Jugendförderung mit Kader und Beobachtungskader, im Juniorenbereich wird nach der WM ein neues Konzept angegangen, von dem ich mir sehr viel verspreche. Mit Michael Wouters wurde dazu schon ein Trainer gewonnen, der dieses Konzept mit Leben erfüllen soll.
Der gesamte Altersbereich 18 bis 24 Jahre soll noch stärker gefördert werden, um noch früher jüngere Sportler im Spitzenbereich zu haben. Es ist auch an regional verteilte Trainingszentren gedacht, hier müssen jedoch die einzelnen Landesverbände aktiv mitarbeiten. Ich bin wie immer optimistisch.
MU: Vielen Dank, daß Du Dir trotz der Vorbereitungen für die WM die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich denke alle, die sich für Bowling begeistern, sind sehr interessiert, Informationen von kompetenter Seite zu erhalten.